Über den Wolken... Kurvernjagd zum Hahntennjoch & Co.

Hahntennjoch & Co Gutgelaunt sitzen wir in Rudis Frühstücksraum. In der Pension Bergheim in Leermoos werden wir königlich bewirtet, nicht nur mit frischem Kaffee und allem was das Bikerherz morgens begehrt, auch mit gutem Rat und Vorschlägen für eine Tagestour nach Rudi-Art. Zu beiden Seiten schauen wir in die Berge. Die Wetterfront hinter der Zugspitze, die an schönen Tagen von hier aus gut zu beobachten ist, kümmert Rudi kaum. Er erklärt uns zu welchem Zeitpunkt wo der Himmel aufreißt und dass wir keinen Regen zu befürchten hätten. Wer kennt sich aus, wenn nicht er? Also schwingen wir uns auf, die Silvrettastraße zu befahren und wenn noch Zeit bleibt das Hahntennjoch – vielleicht liegt ja noch ein bisschen Schnee – zu bezwingen. Noch ein wenig unterkühlt befahren wir den Fernpass in Richtung Imst. Hier hält sich Nebel und frühlingshafte Kühle seltsamerweise immer sehr lang und nur selten hat sich im unterhalb gelegenen Blindsee um diese Zeit blauer Himmel gespiegelt. In Imst halten wir uns Richtung Wenns. Die Pillerhöhe ist schlecht ausgeschildert, egal von welcher Seite man kommt. Ich glaube fast die Einheimischen wollen diese wunderschöne Passstraße vor Besuchern verbergen, die gleichzeitig als Umgehung von Landeck gilt. Auf der Höhe legen wir einen kurzen Boxenstopp ein um diesen herrlichen Blick ins Tal mitzunehmen. Von ca. 1600 Metern geht es nun mit 17% Gefälle hinab ins Tal. Dieser kleine Umweg hat sich gelohnt, der Himmel ist nun fast klar. Die kalte Briese stört uns kaum.

Wir passieren das gut ausgeschilderte Paznauntal und fühlen uns rundum wohl. Das Flüsschen Trisanna liegt heut träge in seinem Flussbett. Kaum zu glauben, in welch reißenden Strom es sich bei der Schneeschmelze verwandeln kann. Hochwasser, wie es sich im Sommer 2005 ereignete, ist angesichts des herrlichen Wetters und des kleinen Flüsschens heute nicht vorstellbar, aber wahr. Schon auf dem Weg zur Silvretta säumen 3000er unseren Weg. Die Täler sind durchweg von saftigem Grün bedeckt, woraus in gebührendem Abstand die nackten Felsen emporragen. Wir erreichen Ischgl und gönnen uns eine Pause. Auf ca. 1500 Einwohner kommen ca. 11000 Gästebetten, da steppt der Bär in der Wintersaison. Nicht umsonst wird es das Mekka des Massentourismus genannt, in dem die höchste Dichte an Viersternen Hotels vorherrscht. Bekannt wurde Ischgl besonders durch seine Silvretta-Arena , die bis ins schweizerische Samnaun führt, über 200km Piste aufweist und mehr als 40 Skiliftanlagen betreibt. Wir sitzen in 1377m Höhe vor einem kleinen Cafe, lassen uns die Nase von den Sonnenstrahlen kitzeln, probieren die Ischgler Küche und hängen angesichts diesen Wissens unseren Gedanken nach. Ich für meinen Teil bin heilfroh, nur ein Biker zu sein. Wir lassen Ischgl und Paznaun hinter uns, passieren Galtür und stehen schon am Mauthaus. Die Silvrettagruppe liegt nun linker Hand von uns. Viele 3000er birgt diese Gebirgskette, außerdem eine Vielzahl an Gletschern, besonders im nördlichen Teil. Daher kommt auch der Name, die blaue Silvretta. Wir genießen die Auffahrt, die Straßen breit und gut ausgebaut, noch kurvenarm, erreichen wir die Bieler Höhe. Nur ein Teil für uns sichtbar, breitet sich der Silvrettastausee glatt und grau vor uns aus. Die Gipfel rundherum grüßen uns mit weißen Mützen. In 2036 Metern Höhe betrachten wir des Menschen Werk. Man sagt, hier wäre die Wasserscheide zwischen Donau und Rhein. Im Stausee ist angeln erlaubt und er bietet die höchst gelegenste Motorboot Schifffahrt Europas. Von einem Boot fehlt jedoch jede Spur. Wir genießen die Aussicht, lassen die Kolosse auf uns wirken und weiter geht es hinab Richtung Partenen, die Mautstation. Zur Aussicht kommt nun noch Fahrspaß pur. Nach fünf Kehren passieren wir den Vermunt-Stausee, der sich wesentlich kleiner als der große Bruder an die Berge schmiegt. 25 Serpentinen eng an eng folgen, teilweise 14% Gefälle, was will man mehr? Fröhlich und entspannt gelangen wir nach Bludens Montafon. Ca. 90km Paznauntal + Silvretta liegen nun hinter uns.

Da es ist noch früh am Tag ist, beschließen wir das Hahntennjoch anzufahren. Zuvor freuen wir uns auf den Flexenpass, die Verbindung zwischen dem Klostertal und dem oberen Lechtal. Von Süden kommend passieren wir durch teils unübersichtliche Kurven, Tunnels und Galerien schnell die Passhöhe. Vorsicht ist geboten wegen der unterschiedlichen Beschaffenheit der Straßen, besonders in Tunnels. In Warth , an der Grenze zu den Allgäuer Alpen, halten wir uns an den Flussverlauf, fahren im Lechtal gemächlich auf der 198 bis nach Gutschau. Danach biegen wir rechts ab in das Bschlaber Tal, das uns zum Hahntennjoch führt. Eine schmale enge Straßen, zum Teil noch mit den Resten des letzten Winters belegt, lassen uns hoch konzentriert werden. Kurven z.T. Felsvorsprünge, ab und zu fehlen die Straßenbegrenzungen – wir laufen zur Hochform auf. Erbaut wurde die Straße in den Sechziger Jahren und 1969 für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Oben angekommen empfängt uns weiße Pracht. Tatsächlich liegen am Nordhang noch Restmassen des letzten Winters, der hier oben noch nicht vorbei zu sein scheint. Kein Wunder in 1884 Meter Höhe. In den Wintermonaten ist das Joch generell gesperrt. Der Gebirgspass umfasst ca. 30 km, verbindet Lechtal mit dem Inntal, in das wir uns jetzt auf bis zu 19% Gefälle abseilen. In Imst ziehen wir Richtung Nassereith über den Fernpass in unserer momentanes zu Hause. Bei deftigem Tiroler Gröstel und einem guten Bier lassen wir den Tag Revue passieren. Rudi hatte wie immer Recht mit seiner Vorhersage- ein interessanter – schöner Tag neigt sich seinem Ende.

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